Anziehend, mobil und menschlich

„Was wir durchmachen, ist schlimmer als Greisenbrand, nässende Ausschläge, Nierenschwund und Knochenfrass“, sagt Volker Heemsath, der mit seinem Rollstuhl auf die Bühne gefahren ist, mitten hinein ins Scheinwerferlicht. „Schlimmer als Seitenstiche“, ergänzt der kleinwüchsige Manfred Laudenbach. „Zerstörerischer als Drüsenkatarre und aufplatzende Geschwüre“, ruft Martina Reicksmann und fuchtelt mit ihrem Blindenstock in der Luft herum. Nur eines, sagt der Mann im Rollstuhl, das sei noch viel zerstörerischer: „Der Gedanke, der FC Bayern würde nächstes Jahr wieder Deutscher Meister.“

Die drei gehören zum Ensemble von „Pschyrembel“, einer Theatergruppe für Menschen mit Behinderungen unter der Leitung des Schauspielers und Kabarettisten Rudolf Höhn. Mit Humor und Selbstironie setzten die „Pschyrembel“-Darsteller bei der gestrigen Gründungsfeier der Stiftung mission:menschlich deren Anliegen in Szene. Sie hätten nun die Aufgabe, eine „Erstiftungsöffnung zu vergründstalten“, rief einer der Schauspieler den rund 150 Gästen entgegen, die sich zu der Auftaktveranstaltung im Theater der Bremer Shakespeare Company eingefunden hatten.

Die Stiftung startet mit sechs Projekten, um etwas für von Armut betroffene Kinder und Jugendliche, für Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen sowie für obdachlose Mitbürger zu tun. Ihm persönlich liege das Projekt „Mobiler Anziehungspunkt“ besonders am Herzen, sagte der Stiftungskurator Jens Lütjen, als Radio Bremen-Moderator Dirk Böhling ihn nach seinen Beweggründen fragte, sich für die Stiftung zu engagieren. Ein Bus mit gebrauchter, aber gut erhaltener Kleidung soll künftig die sozialen Brennpunkte Bremens ansteuern - daher der Name „Mobiler Anziehungspunkt“. Menschen mit geringem Einkomnen - insbesondere Kinder und Jugendliche - können sich dann vor Ort eindecken, mit kostenlosen Sporttrikots oder Turnschuhen etwa, die oft ganz am Ende der Anschaffungslisten stehen.

„Café Papagei“ heißt ein weiteres Projekt, das Dr. Jörg Martens, Geschäftsführer der Stiftung, im Anschluss an das Theaterstück vorstellte. Geplant sei ein mobiles Café unterm Zeltdach, in dem obdachlose Menschen ihre Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirten, statt um „etwas Kleingeld“ zu bitten. Ziel sei, mit dem Café eine dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeit für wohnungslose Menschen und einen gastlichen Ort für Bremer Bürger zu schaffen. Während der Schauspieler Manfred (Manni) Laudenbach die Mitarbeiter der Stiftung zu ihren Plänen für weitere passgenaue soziale Dienstleistungen befragte, bekamen die Gäste ein „Schmalhans-Menü“ serviert. Der Koch der Theaterkneipe „Falstaff“ hatte eine Speisefolge gewählt, die auch für Menschen mit schmalem Budget erschwinglich ist: Als erstes eine „schüchterne“ Suppe, dann gemeine Steckrüben und am Schluss einen heißen Bratapfel.